04.04.2025
Eröffnung der Landessynode
Hohe Synode, liebe Geschwister,
gemeinsam haben wir Gottesdienst in der Immanuelkirche gefeiert und damit unsere Synodaltagung eröffnet. Bereits in diesem Gottesdienst zog sich der Begriff „Friede“ wie ein roter Faden durch Musik und Wort. Wer genau hinschaute konnte jedoch erkennen, dass der Faden in Wirklichkeit nicht rot ist, sondern aus ganz unterschiedlichen Farbschattierungen besteht, denn soll vielschichtig ist dieser Begriff, gerade für uns als Christenmenschen.
In den letzten Tagen ging mir ein weltweit sehr bekanntes Lied nicht aus dem Kopf. Darin heißt es:
Beyond the door
There's peace, I'm sure
'Cause I know there'll be no more
Tears in heaven
Frieden in einer anderen Welt, wenn wir nicht mehr so sind, wie wir jetzt hier sind. Und die Hoffnung auf einen Frieden, der dann in einer anderen Welt (wie es ganz ähnlich in der Offenbarung des Johannes heißt) alle Tränen abwischen wird. Und der doch auch schon hie rund heute spürbar sein kann.
Aber das ist eben nur die eine Farbe des Begriffes Frieden. Wir sehen zweitens darin auch einen Begriff, der unsere Beziehung zueinander und auch zu Gott beschreibt. Sehen wir im anderen Menschen Gottes Ebenbild und handeln danach? Es geht also bei Frieden auch um unsere Beziehungen, den Kontakt zu den anderen und wie wir miteinander umgehen in Gottes schöner Welt.
Frieden bezeichnet drittens eine Situation der Ruhe, der Abwesenheit von Gewalt oder gar Krieg – in einem Staat oder gerade auch zwischen Staaten. Der Künstler Hannes Forster hat ein Kriegedenkmal (ohne „R“), das einstmals in Frankfurt (Oder) stand und heute in erweiterter Form im Landkreis Teltow-Fläming. Es besteht aus Ziegeln, die spiralförmig hoch gemauert sind. Pro Jahr seit 1617 ein Ziegel. Alle Jahre, in denen es in Europa in den gut 400 Jahren Krieg oder kriegsähnliche Zustände gab, tragen deutlich sichtbar ihre Jahreszahl. Rund 280 tragen diese Zahl. Historisch betrachtet ist die Abwesenheit von Frieden also deutlich in der Unterzahl.
Doch immer wieder begehrten Menschen dagegen auf. Gegen die Gräuel des Krieges und seine verheerenden Folgen. Der Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich-Maria Remarque war ein Ausdruck dessen. Ein sehr viel gelesenes Buch in den 1920er Jahren.
Viele Menschen hatten den I. Weltkrieg in bitterer Erinnerung und waren für den schonungslosen Blick darauf und die Abkehr davon offen. Doch schon im Dezember 1930, als ein auf dem Buch basierender Film in die deutschen Kino kam, war es mit dem Frieden vorbei, wie Jens Bisky in seinem Buch „Die Entscheidung – Deutschland 1929-1934“ eindrücklich festhält. Der Anti-Kriegsfilm wurde hier bei uns in Berlin am Nollendorfplatz im „Mozart-Saal“ uraufgeführt. Die Position gegen den Krieg, die sich darin darstellende Niederlage des deutschen Kaiserreiches und zumal der jüdische Regisseur waren der aufsteigenden NSDAP ein Dorn im Auge. Joseph Goebbels und sein Parteifreund Ludwig Münchmeyer, ehemals Pastor auf Borkum, sprangen während der Vorstellung auf und störten mit Volksreden, unterstützt von 200 NS-Anhängern, denen sie Karten besorgt hatten. Die Randale hielten tagelang an und wenige Tage später begannen einzelne deutsche Länder die Aufführung des Filmes zu verbieten. Die NS-Randale waren erfolgreich, einem schonungslosen künstlerischen Blick auf Krieg und seine Folgen wurde die Öffentlichkeit entzogen.
Es gäbe noch viele Beispiele, wie der jeweilige Blick auf Krieg und Frieden so unterschiedlich sein kann. Entscheidend ist aus meiner Sicht, welches Ausmaß an kritischer Auseinandersetzung wir aushalten. Eben, ohne einzelnen Positionen die Öffentlichkeit zu entziehen.
Kirche auf dem Weg zu einem gerechten Frieden, diesen Anspruch haben wir seit vielen Jahren an uns selbst gestellt. Die vergangenen Jahre haben manche damit verbundene Illusion angesichts der grauenvollen Realität in der Ukraine oder Israel als solche entlarvt. Das biblische Zeugnis verpflichtet uns weiter auf den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens. Dabei sollten wir uns jedoch, so denke ich, allezeit eines wachen Verstandes bedienen und die Augen vor der Welt nicht verschließen. In diesem Sinne halte ich angesichts der russischen Aggressionen beispielsweise eine gesellschaftliche Diskussion über Dienstpflicht nicht für unangemessen und eine gute Ausrüstung der Bundeswehr sollte meines Erachtens nicht sogleich als Militarisierung denunziert werden. Über den richtigen Weg haben sowohl wir als Kirche als auch als Gesellschaft insgesamt zu ringen, eben eine kritische Auseinandersetzung zu führen. Die Vorlage aus den synodalen Ausschüssen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und Theologie, Liturgie Kirchenmusik geben uns dazu auf dieser Tagung die Gelegenheit.
Dem Thema Frieden widmet sich auf Beschluss des Ältestenrats auch die Paul-Gerhardt-Medaille 2025: ehrenamtliches Engagement für den Frieden soll in diesem Jahr geehrt werden. Vielen Dank für die bisher gemachten Vorschläge. Der Ältestenrat hatte um Vorschläge bis 31. März gebeten, verlängert aber gerne bis zum 15. April. Vorschlagsberechtigt sind u.a. Kreiskirchenräte, Ausschussvorsitzende, Ephoren, der Bischof, – wenn Sie nicht einer davon sein sollten und trotzdem eine gute Idee haben, finden Sie bestimmt jemanden, der ihren Vorschlag zu seinem macht.
Auf allen Synodaltagungen spielt das Thema sexualisierter Gewalt eine Rolle. Wie bereits mehrfach betont, ist das aus meiner Sicht richtig. Wir haben bei Aufarbeitung, Intervention und Prävention als Kirche aus unserem Auftrag heraus laufend Aufgaben, auch wir als Landessynode. Wir beraten über einen Antrag des Ausschusses ÖKDV für ein Schutzkonzept für die Landessynode. Ohne den Beratungen vorgreifen zu wollen, halte ich es für sinnvoll, dass auch wir wie ganz viele Gremien in unserer Kirche das tun. Der Ältestenrat jedenfalls ist bereit, ein solches Konzept mit sachverständiger Unterstützung zu erstellen. Selbstverständlich wird das Thema insgesamt auch weiterhin von uns ernst zu nehmen und zu bearbeiten sein. So auch in der Herbsttagung mit der Umsetzung der jüngst beschlossenen Anerkennungsrichtlinie der EKD.
Aus der Jugendsynode haben wir manches gelernt und sind auch weiterhin dabei. Eine kleine Neuerung war ein Raum für alle, die in diesem trubeligen Synodenalltag einen Rückzugsort brauchen. Das haben uns auch einige Synodale als positiv beschrieben. Deshalb steht auch auf dieser Tagung das Präsesbüro im 4. Stock in Haus 2 als Ruhepunkt zur Verfügung. Als Seelsorgerin und Seelsorger sind aus dem Ältestenrat Ulrike Garve und Peter Sachse für alle da, vielen Dank dafür. Wer im Laufe der Synodaltagung nach einem Ruhepunkt und/oder einem seelsorglichen Gespräch sucht, kann sich an beide wenden.
Beyond the door
There's peace, I'm sure
'Cause I know there'll be no more
Tears in heaven
Hiermit erkläre ich die zehnte Tagung der V. Landessynode für eröffnet.